90. Meine Wut über manche Vorstellungen der europäischen Industrie bzgl. Schule!

Aufgabe der Schule?
© Axel Zahlut

Die Schule hat die Aufgabe, mündige Erwachsene zu formen, die größtenteils nach der Schule ihrer professionellen Ausbildung nachgehen - eine Ausnahme sind die Berufsbildenden Schulen. Liest man Bildungsprogramme auf europäischer Ebene genauer und beobachtet die Vergabepraxis für Projekte im Rahmenprogramm Horizon2020, so scheint dieser Fokus längst keine Gültigkeit mehr zu besitzen. Es wird davon gesprochen, dass das oberste Ziel der europäischen Bildungspolitik der Ausgleich des Arbeitskräfte-/Fachkräftemangels ist. 

 

Weil diese Lobby mächtig ist - hier liegt das Geld, von dem alle sagen, es geht uns aus - werden vermehrt Industrieunternehmen gefragt, welche Fähigkeiten sie von den SchülerInnen in Zukunft erwarten. Auch wenn manche Unternehmen sehr erfolgreich sind, ein derart gewagter Blick in die Zukunft, denn immerhin beträgt eine komplette Schullaufbahn etwa zwölf Jahre, gelingt auch ihnen beim besten Willen nicht. Mehr als die Hälfte der Jobs, in denen die Volksschulkinder später arbeiten werden, sind noch nicht einmal erfunden. Natürlich muss der Fokus auf die Fertigkeiten des 21. Jahrhunderts gelegt werden, aber wofür haben wir ein Bildungssystem, wenn dieses scheinbar extern diktiert wird. Natürlich wollen Unternehmen, dass die SchülerInnen möglichst ähnlich (aus)gebildet werden und bestenfalls noch eine Reihe von Zertifikaten vorweisen, die während der Schullaufbahn erworben wurden. Die Folge ist allerdings, dass wir leicht austauschbare Arbeitskräfte ausbildeten, Schafe, aber keine Hirten. Dass noch immer ECDL-Zertifikate in Schulen während des Unterrichts erworben werden können, obwohl gerade in Österreich Digikomp (aktuell Digikomp 4) wesentlich mehr abdeckt und weiter geht, ist hier nur die Spitze des Eisbergs. 

 

Ich plädiere dafür, dass sich die Schulen nicht von den Industrieunternehmen instrumentalisieren lassen. Klar, dass gerade in wirtschaftlich prekärer Zeiten hier versucht wird, Ausbildungskosten an das Schulsystem auszulagern. Bekamen früher neue MitarbeiterInnen zumindest den letzten Ausbildungsschliff im ersten Jahr im Unternehmen, will man, dass viele fachspezifischen Kompetenzen bereits in der Schule erworben werden. Das Vertrauen in das Schulsystem sollte allerdings etwas weiter gehen. Eltern brauchen nicht in dieser Intensität, ihre SchülerInnen parallel und extern ausbilden (Zertifikate) zu lassen. Sie müssen die richtigen Schulen wählen, oder dementsprechend Druck machen, dass endlich wieder alle ihren Aufgabe nachgehen. Keinesfalls darf vor allem in der Schule Bildung mit Ausbildung verwechselt werden und Noten mit Zertifikaten. Und wenn wir schon bei Weihnachtswünschen sind, wäre vielleicht auch einmal die Kritik an den inflationsbereinigt stagnierenden (oft sogar sinkenden) Löhnen der Unternehmen anzuführen, denn es scheint fast grotesk, dass hier weniger Geld gezahlt wird und die Schulen auch noch die leicht austauschbaren Arbeitskräfte anliefert … 

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