Zu viele Köche verderben den Brei!

Koch bei der Arbeit
Quelle: https://static.pexels.com/photos/59100/pexels-photo-59100.jpeg 28.04.2017

Das Bildungs-Reformgesetz ist noch bis Ende April in der Begutachtung. Bildungsministerin Sonja Hammerschmid hat mit der geplanten Autonomie für Schulen hehre Motive. Genau dieser Aspekt wird in der Bildungsdiskussion immer als zentraler Baustein für SchülerInnen-orientierte Veränderungen gesehen. Mit über 800 Stellungnahmen und Verbesserungsvorschlägen hat dieses Gesetz schon einmal eine breite Diskussion losgetreten. Doch diese Diskussion nimmt Formen an, die unterstreichen, warum zentrale Vorgaben für ein flächenmäßig kleines Land wie Österreich notwendig sind.

Die Cluster als zentraler Kritikpunkt

Vermutlich ist das der einzige Punkt, in dem ich mit den KritikerInnen konform gehe. Die Cluster-Lösung, wonach bis zu acht Schulen mit dem gleichen Schwerpunkt zusammengefasst werden können, ist nicht durchdacht. So, wie sich der Gesetzestext liest, können de facto nur gleiche Schultypen einen Cluster bilden (AHS, HTLs, … ). Aus meiner persönlichen Sicht ist eine derartige Maßnahme unter diesen Voraussetzungen sinnbefreit. Die individuellen Stärken der SchülerInnen können am besten in für sie passenden Schultypen zur Geltung gebracht werden.

Wenn man beispielsweise bei einer Schülerin feststellt, ihre Stärken wären in einer HTL besser aufgehoben, wäre es kontraproduktiv, sie noch im AHS-System verweilen zu lassen. Könnten allerdings unterschiedliche Schultypen in einem Cluster zusammengefasst werden, wäre das positiv für die Entwicklung von Stärken der SchülerInnen. Die Schulzentren, wie es sie vereinzelt gibt, erfüllen diese Funktion bereits heute. 

Die übrige Kritik erinnert an Selbstdarstellung

Ein Kritikpunkt, der mir sauer aufstößt, ist, dass durch die zeitliche Flexibilisierung des Unterrichts, zwar unterschiedliche Unterrichtsschwerpunkte besser herausgearbeitet werden können, doch könnte sich die Unterrichtszeit für die LehrerInnen verlängern. Ich formuliere es anders: Sie ist nicht mehr mit einem 50-Minuten-Takt kalkulierbar und da fürchten manche um ihre Futtertröge.

Teacher in front of a whiteboard
Quelle: https://static.pexels.com/photos/7369/startup-photos.jpg 280.04.2017

Wenn es aber sinnvoll ist, eine gegebene Klasse zehn oder zwanzig Minuten länger zu unterrichten, damit mehr SchülerInnen abgeholt werden können, sollte das möglich sein. Man wurde ja eine Lehrkraft zum Wohle der Kinder. Natürlich müssen Fragen der Arbeitszeit gesondert behandelt werden, aber dafür würde ja ebenfalls die Kompetenz der Direktion ausgebaut werden. Im Übrigen dürfte die Unterrichtszeit sehr oft kürzer ausfallen, weil die Konzentration der SchülerInnen über eine kürzere Zeitspanne als 50 Minuten gewährleistet ist.

Die Angst vor größeren Klassen ist nur dann relevant, wenn die SchülerInnen eben nicht gemäß ihrer Stärken auf unterschiedliche Schultypen aufgeteilt werden. Nicht zwangsweise, sondern in Form einer besseren Kommunikation der Möglichkeiten. Das bedingt aber einerseits, dass der skurrile Konkurrenzkampf unter den Schulen gelöst werden sollte, andererseits, dass die Eltern besser über die bestehenden Möglichkeiten vorab informiert werden. Wenn die AHS die einzige Option bleibt, ist diese Angst nachvollziehbar.

Die Kostenneutralität sollte überdacht werden

Sauer stößt mir auch auf, wenn ich höre, dass die Bildung unserer Kinder nicht mehr kosten darf, als bisher. Meiner bescheidenen Auffassung nach sollte wesentlich mehr in die Bildung investiert werden. Spannend ist, dass das Geld für die Rettung der Banken, für Korruptions-belastete Geschäfte (es gilt die Unschuldsvermutung, Anm.) und für den Kauf von Kriegsgerät locker gemacht wird. Bei einer gesellschaftlich nachhaltigen Investition wie der Bildung, wird jeder Euro dreimal umgedreht.

Fazit: Bedeutet die Autonomie auch weniger Einfluss der Gewerkschaft?

Als Politikwissenschafter vermute ich hinter jeder politischen Aktion ein gezieltes Interesse, das vordergründig meist nichts mit der vorgetragenen Kritik zu tun hat. Aus Sicht der LehrerInnen-Gewerkschaft ist es komfortabel, mit nur einem Partner die Arbeitsbedingungen auszuhandeln. Man könnte meinen, dass aus der Sicht der LehrerInnen ein Interesse daran besteht, die Bildungspolitik zentraler zu gestalten. Die Aufteilung zwischen Bundes- und Pflichtschulen führt zu einer Kompetenzkonfusion zwischen Bund und Ländern.

Arbeitsbedingungen
Quelle: https://static.pexels.com/photos/140945/pexels-photo-140945.jpeg 2804.2017

Wenn die Autonomie als tatsächliche Schulautonomie verstanden würde, könnten die SchulleiterInnen mit den VertreterInnen der LehrerInnen Arbeitszeiten und Arbeitsbedingungen standortspezifisch aushandeln. Die Bedeutung einer zentral organisierten Gewerkschaft würde damit abgeschwächt werden. Vielleicht ist das der Grund des vorrangigen Widerstands der Gewerkschaft: Die geplante Autonomie konsequent zu Ende gedacht, würde das zentrale Verhandlungsmandat der Gewerkschaft und damit ihre Bedeutung schwächen. Unabhängig davon könnte einmal die Diskussion geführt werden, ob die Bedeutung einer Gewerkschaft eigentlich nur die Aushandlung von Arbeitsbedingungen ist oder, ob sie in strategische Richtungsentscheidungen eingebunden werden sollte. Jedenfalls müssen die politischen VertreterInnen endlich auch Verantwortung für ihre Pläne übernehmen und konsequent durchziehen. Sonst haben wir immer nur verwässerte Kompromisse …