Die andere Analyse eines Apple-Events

Apple Store
Quelle: https://static.pexels.com/photos/279166/pexels-photo-279166.jpeg 07.06.2017

Auf die Produktvorstellungen neuer Gadgets schiele ich gar nicht mehr so. Zwar bin ich interessiert, habe aber keinen objektiven Bedarf am nächsten Endgerät. Solange meine Geräte gut funktionieren, habe ich nicht das Gefühl, etwas zu verpassen. Wie alle großen Hersteller, stellt auch jener aus Cupertino Gadgets vor, die unser Leben vermeintlich einfacher machen sollen. Spannend ist vielmehr, dass Apple beim Software-Angebot auf manche Herausforderungen unserer Zeit reagiert.

Der Trick der Werbung

Auf den Trick der Werbung, sich als minderwertiger Mensch zu fühlen, wenn man gewisse Geräte nicht hat, falle ich nicht mehr so leicht herein. Aus meiner Sicht wendet die Werbung immer dasselbe Schema an: „Der aktuelle Zustand ist alles andere als gut! Mit dem neuen Gerät wird mein Leben besser.“ Oder: „Egal, wie unrund ich mich fühle und wie blöd ich mir vorkomme, mit dem neuen Gerät bin ich der Superstar.“ Deshalb soll ich kaufen.

Manchmal ist es hilfreich zu fragen, inwiefern das persönliche Leben durch einen etwaigen Kauf tatsächlich erleichtert wird, ohne, dass daraus wieder ein Zwang entsteht. Wenn ich etwas Technisches anschaffe, möchte ich vorweg wissen, was der tatsächliche Gegenwert ist. Ist der für mich nicht ersichtlich, lasse ich die Finger von einem Produkt. Beispielsweise erschließt sich mir der Sinn von Smartwatches bis heute nicht. Aber vielleicht brauche ich länger.

Daten über Daten

Matrix an Zahlen
Quelle: https://static.pexels.com/photos/225769/pexels-photo-225769.jpeg 07.06.2017

Egal, ob es die Fitness-Daten am Handgelenk, die Position des Smartphones oder die Dokumente auf meinem Rechner sind. Irgendwo läuft alles zusammen und formt ein Bild meiner Gewohnheiten. Rechner mit komplizierten Algorithmen verfügen damit über weit mehr Informationen über mich, als meine engsten Freunde. Tolle Gadgets helfen mir beim effektiven Training und ich verfüge über weit mehr Daten als früher.

Doch der jeweilige Hersteller hat die gleichen Daten über mich. Drei- bis viermal in der Woche finde ich den Weg ins Fitnesscenter und trainiere hart. Motivieren muss mich keine Uhr und kein Armband. Ich bin noch der altmodischen Meinung, dass ich intrinsisch motiviert sein sollte. Wo alle Daten zusammenlaufen, ist aus europäischer Perspektive deswegen interessant, zumal es gesetzliche Bestimmungen für amerikanische Cloud-Anbieter  gibt.

Die Privatsphäre schützen

Mein persönliches Highlight während der Apple-Präsentation vor zwei Tagen ist ein sehr interessantes Feature in Apples Safari-Browser. „Intelligent Tracking Prevention“ soll meine Privatsphäre vor unerlaubten „MitleserInnen“ schützen. Sie kennen das sicher: Man informiert sich über ein Produkt auf einschlägigen Websites und plötzlich wird man von Werbungen zu diesem Produkt verfolgt. Vor allem den auf sozialen Netzwerken. Das neue Feature von Apple soll meine Surfgewohnheiten aktiv verstecken.

Bereits heute verwende ich ein Add-On in meinem Browser, welches das Mitlesen von anderen Seiten verhindert und mir die Kontrolle über meine Privatsphäre zurückgibt. Ich entscheide beispielsweise, wann ein Video geladen werden darf, welche Skripte im Hintergrund laufen und welche Webseiten ich freigebe, nachdem ich aufgelistet bekomme, wer mitliest. Wenn die Daten das Öl des 21. Jahrhunderts sind, ist der Datenschutz der Umweltschutz des Netzes. Daher spricht Apple unbewusst eine große Herausforderung der heutigen Zeit an.

Wie soll ich das einordnen?

Wie jeder große Hersteller versucht auch Apple seine Produkte an die Frau und an den Mann zu bringen. Am leichtesten funktioniert das, wenn man den potentiellen KundInnen einen effektiven Mehrwert bietet. Das funktioniert am besten über eine durchdachte Software, die gut aussehende Hardware praktisch werden lässt. Darüber hinaus werden bewusst gefühlte „Defizite“ kreiert, die wir mit einem Kauf stopfen sollen. Die Aktualisierung der Software ist kostenlos, doch werden bestimmte Features erst in der aktuellsten Gerätegeneration freigegeben.

Analyse
Quelle: https://static.pexels.com/photos/94654/pexels-photo-94654.jpeg 07.06.2017

Bin ich jetzt ein minderwertiger Mensch, wenn ich diese Geräte nicht habe? Ich erachte es als Privileg, in diesem verrückten Rennen nach „noch besser, noch schneller und noch schöner“ nicht mitzumachen. So kann ich ein Gerät dann kaufen, wenn die geplante Obsoleszenz meines aktuellen erreicht und es damit nicht mehr brauchbar ist. Doch bis dahin aktualisiere ich brav meine Software und sehe, was passiert ...

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