Wort zum Sonntag: Schule schwänzen sanktioniert?

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Quelle: https://www.pexels.com/photo/black-and-white-blur-close-up-fingers-388241/ 11.02.2018

Eines gleich vorweg: Man verhält sich, als ob es nicht bereits jetzt Konsequenzen für SchulschwänzerInnen gäbe. Die gibt es. Sie werden nur in den seltensten Fällen verfolgt. Und mal ehrlich, seid ihr nie dem Unterricht ferngeblieben, weil eine Hausübung vergessen wurde, man nicht auf eine Prüfung vorbereitet oder der Unterricht schlicht langweilig war? Dass das Schulschwänzen effektiver bestraft werden sollte, ist primär keine schlechte Idee. Doch über die Ursachen wird wieder nicht nachgedacht, denn die sind vielfältig.

Welche Gründe bestehen?

Wer dem Unterricht geplant fernbleibt, hat einen Grund. Manchmal ist dieser bei der Unterrichtsgestaltung und der Lehrkraft zu suchen, manchmal bei der individuellen Überforderung und oft sind es soziale Spannungen zwischen den SchülerInnen. Jux ist es selten. Die bisherige Regelung hätte die Suche nach einem klärenden Gespräch gefordert, war aber aufgrund des Aufwands und der Zeitnot oft nicht zu exekutieren.

Genau hier liegt das Problem. Mit einer sofortigen Bestrafung der SchülerInnen und der Eltern rückt die Ursachenforschung in den Hintergrund. Diese wäre aber gerade bei diesem Thema wichtig. Mit sofortigen Konsequenzen ignoriert man die Probleme der Kinder und nichts wirkt für sie demotivierender als das Gefühl, nicht ernst genommen zu werden.

Eine kleine Beichte

Mikrofon
Quelle: https://www.pexels.com/photo/music-sound-communication-audio-2235/ 11.02.2018

Mit dem 614. Artikel kommt eine kleine Beichte meinerseits. In der Sekundarstufe II bin auch ich dem Unterricht manchmal ferngeblieben. Zunächst aus sozialen Gründen. Die Spannungen mit den MitschülerInnen waren für mich unerträglich geworden, sodass ich lange Zeit die Schule wechseln wollte, aber mich nie dazu durchgerungen habe. Als sich dieses Problem löste, blieb ich in der elften Schulstufe in den ersten zwei Monaten des Schuljahres zeitweise dem Mathematikunterricht fern. Der Grund war vermutlich eine postpubertäre Trotzphase gepaart mit großer Langeweile im Unterricht.

Diesen Fehler sollte ich später teuer bezahlen, zumal ich bis zu diesem Zeitpunkt einer der besten Schüler in Mathematik war und danach bis zur Matura Nachhilfeunterricht benötigte. Ein genaueres Hinsehen war bei mir nicht notwendig, doch kannte ich einige KollegInnen, die den Unterricht aus den zuvor genannten Gründen schwänzten. Retrospektiv kann ich festhalten, dass nie Ursachenforschung betrieben wurde. Spätestens zu diesem Zeitpunkt findet bei den betroffenen SchülerInnen ein Prozess der Entfremdung mit der Schule statt. Genau dieser sollte unterbunden werden.

Diese Art der Prävention ist fragwürdig

Frühere Strafen, so die Argumentation der Regierung, sollen präventiv wirken und das Schwänzen unterbinden. Außerdem soll in derartigen Fällen die Verwaltung erleichtert werden, damit konsequenter durchgegriffen wird. Ich kann mich nicht des Eindrucks erwehren, dass es sich, ähnlich wie bei der verpflichtenden Wiedereinführung der Schulnoten in den ersten drei Schulstufen, mal wieder um eine Law-&-Order-Politik in der Bildung handelt.

Uhr an der Tafel
Quelle: https://www.pexels.com/photo/analog-clock-sketch-in-black-surface-745365/ 11.02.2018

Bevor den Gründen qualitativ nachgegangen wird, denkt man an die Strafen. Ein wenig erinnert das an die Kommunikation beim Arbeitslosengeld. Bevor man Gründe nennt und bekämpft, stellt man das sogenannte Durchmogeln an den Pranger. Nur dieses Mal handelt es sich um unseren Nachwuchs. Mit härteren Strafen triebe man einen Keil in die Schulgemeinschaft. Es ist jedoch zu erwarten, dass die LehrerInnen hier ihrer Verantwortung gerecht werden und tatsächlich nach Gründen für das wiederholte Fernbleiben vom Unterricht suchen. Strafen sind im pädagogischen Setting sowieso immer nur die ultima Ratio …

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