Was läuft schief in der Bildung?

Wird ein/e ChirurgIn in einem Operationssaal in den 1950er Jahren eingefroren und heute wieder wieder an selber Stelle aufgetaut, so weiß diese/r nicht, wo er/sie ist. Versucht man ein ähnliches Gedankenexperiment für LehrerInnen durchzuführen, so wäre die Erkenntnis vermutlich eine andere. Im Wesentlichen hat sich das pädagogische Konzept in den letzten 150 Jahren nicht geändert. Noch heute steht die Lehrkraft vor der Tafel, präsentiert gut oder weniger gut den Stoff und hofft dabei, dass die SchülerInnen nicht einschlafen und zu den Leistungsfeststellungen den vermittelten Stoff beherrschen. Die Gesellschaft, in der wir leben, hat sich verändert. Die Möglichkeiten der Kommunikation haben sich vervielfacht und durch die Verwendung neuer Medien haben sich die Kommunikationsstrukturen geändert. Bereiten wir unsere Kinder entsprechend darauf vor? 

Jede/r greift automatisch zu seinem Smartphone oder einem ähnlichem Medium, um nach Information zu suchen oder mit Mitmenschen zu kommunizieren. Längst gilt nicht mehr die bidirektionale Kommunikation zwischen zwei Menschen oder zwei Interessengruppen durch das Telefon oder den Brief. Es wird auf mehreren Ebenen kommuniziert, die Effekte des Web 2.0 sind nur ein Beispiel. Zur Recherche einer Thematik wird nicht mehr zwangsläufig die physische Bibliothek aufgesucht, zumal Inhalte jetzt online verfügbar sind. Diese zu sortieren, zu bewerten und einordnen zu können, ist eine Herausforderung, der sich die Gesellschaft von heute stellen muss. Dennoch wird gelehrt, als ob die Bibliothek die primäre Quelle des Wissens ist, das Telefon den Gipfel des Fortschritts darstellt und die Face-to-Face-Kommunikation die Regel und nicht mehr die Ausnahme ist. Kurz: Die Pädagogik hat sich nicht wesentlich verändert - die Gesellschaft schon. 

 

Bedenkt man, dass jedes Kind einen Schatz an Kreativität, Lebensfreude und Neugier in den ersten Schultag mitnimmt, so stellt sich die Frage, was während der Jahre bis zum Schulabschluss passiert. Desinteresse, Angst und Frustration! Desinteresse am Stoff, Angst vor der Leistungsbeurteilung und Frustration, weil die Welt außerhalb der Schule gefühlt den Anschluss an die Realität verliert. Jede/r SchülerIn kann in Echtzeit den Wahrheitsgehalt des vermittelten Stoffs über das Smartphone überprüfen. Die Frage, ob die Inhalte vielmehr dynamisch vermittelt werden sollen und die Pädagogik einer Revolution bedarf, stellt sich eigentlich nicht mehr …