Auf den Spuren von Felix Baumgartner!

Schüler/-innen schicken den Wetterballon in die Stratosphäre
© Axel Zahlut

Innovativer Unterricht? Das BG Klosterneuburg zeigt uns immer wieder, wie moderner Unterricht aussehen kann. Gestern wurde das wieder einmal anschaulich unter Beweis gestellt. Die Schüler/-innen der 4D realisierten einen Sprung aus der Stratosphäre wie Felix Baumgartner vor vier Jahren. Nur, dass dieses Mal keine Person, sondern Eier von Urzeit-Krebsen (Anm. d. Red. Triopse) aus über 36 km Höhe auf die Erde glitten. Wie das gesamte Projekt sehr professionell von den Schüler/-innen aufgezogen wurde, möchte ich im folgenden Beitrag beschreiben. Denn hinter so einem Sprung aus der Stratosphäre steckt sehr viel Pädagogik, Schulstoff und die unabhängige Organisation der Schüler/-innen, die schlicht und ergreifend beeindruckend war. Der Höhepunkt war zweifelsfrei der Start des Heliumballons im Rahmen des Schulfestes.

Die Idee zu StratosvierD!

Schülerinnen bei der Organisation des Projekts
© Axel Zahlut

Das Unternehmen wurde deshalb StratosvierD getauft, zumal es die Klasse 4D durchführt und einen Wetterballon in die Stratosphäre schickte. In einer Höhe von etwa 36 km platzt der Heliumballon und mithilfe eines Bremsfallschirms gleitet ein Paket mit Triops-Eier (Anm. d. Red.: Urzeit-Krebse) und Grußkarten an die Eltern der Schüler/-innen zu Boden. Die Eier von Urzeit-Krebsen eignen sich für ein derartiges Unterfangen deshalb, zumal sie extremen Witterungen und Temperaturen standhalten. Nachdem sie noch einmal mit Regen begossen werden, Schlüpfen die Eier. Deshalb werden sie in der Klasse der 4D zum Schlüpfen gebracht, nachdem das Paket gelandet ist.

Die Idee zu diesem Projekt kam dem verantwortlichen Lehrer Markus Gruber im Sommerurlaub. Nachdem es zu diesem Projekt Youtube-Videos gibt und sich eine Firma auf die Produktion und Lieferung des entsprechenden Materials spezialisiert hatte, war die Realisierung nur eine Frage der Logistik. Der Elternverein finanzierte diese Initiative zwischen. Innerhalb kürzester Zeit organisierten die Schüler/-innen Sponsoren und sammelten Spenden in der Gemeinde. So wurde die endgültige Finanzierung sichergestellt.

Organisation des Projekts!

Plakate zur Meteorologie, Wetterballons und Triopsen
© Axel Zahlut

Zunächst erarbeiteten die Schüler/-innen lehrplanrelevante Themen wie Meteorologie, Wetterballons, Fliegen (Aeronautik) und Triopse und stellten diese auf Informationsplakaten im Eingangsbereich des Schulfests aus. Hierzu wurde eine eigene Gruppe bestehend aus mehreren Schüler/-innen zusammengestellt. Eine andere Gruppe war für die Berechnung der Flugroute unter Einbezug der Masse des Flugobjekts und der herrschenden Winde verantwortlich. Dafür gibt es ein wunderbares Programm im Internet, das die Flugroute nach tagesaktuellen Daten berechnet. Dennoch handelt es sich um ungefähre Routen, denn wenn Winde in mehreren Kilometer Höhe nur 30 km/h abweichen, ändert sich die Flugroute signifikant.

Das fast fertige Paket
© Axel Zahlut

Daher wurde das Paket mit den Triops-Eiern mit zwei GPS-Tracker versehen, damit es wieder gefunden wird. Ein weiteres Team war für die Pressearbeit zuständig. So wurden Interviews mit Sponsoren, Vertreter/-innen der Austrocontrol und mit den beteiligten Lehrer/-innen und Schüler/-innen geführt. Natürlich wurde ein Film gedreht und im Anschluss zusammengeschnitten.

Der Ablauf!

Markus Gruber bei der Optimierung der Abläufe
© Axel Zahlut

Am Tag des Starts betrat Markus Gruber seine Physikklasse und besprach kurz den Ablauf. Weitestgehend hielt er sich als Lehrkraft zurück und überließ den Schüler/-innen die Organisation. Nur als Zeitdruck bestand, schaltete sich Markus Gruber ein und strukturierte die Abläufe etwas effizienter. Das war besonders wichtig, zumal das Paket erst zwei Stunden vor dem Start des Ballons geliefert wurde. Doch auch diese Herausforderung wurde ebenso souverän gemeistert wie plötzlicher Hagel vor dem Start und das durchwachsene Wetter. 

Die schriftliche Startfreigabe der Austrocontrol
© Axel Zahlut

Dagegen war es fast ein Kinderspiel, die Starterlaubnis der Austrocontrol zu bekommen. Normalerweise unterliegen Wetterballons keinen besonders restriktiven Auflagen, doch das gilt nur für offizielle Wettereinrichtungen. Private Flüge unterliegen anderen Auflagen, zumal es sich dann um ein leichtes, unbemanntes Flugobjekt handelt.

Der Start!

Befüllen des Wetterballons mit Helium
© Axel Zahlut

Um kurz nach 16.00 Uhr war es dann soweit. Die pädagogischen Anstrengungen, die aber von keiner/m der Beteiligten als solche empfunden wurden, mündeten im Start des Wetterballons. Dieser wurde zuvor mit Helium gefüllt und stieg mit über 5 Metern pro Sekunde in die Stratosphäre auf. Man darf gespannt sein, wie erfolgreich diese Initiative letztlich war und welche wunderbaren Daten der GPS-Tracker und die zwei montierten Kameras liefern. Aber nachdem das Projekt von langer Hand geplant war, ist der Erfolg garantiert.

Fazit: Wenn Schüler/-innen das Ruder übernehmen …

Start des Wetterballons auf dem Weg in die Stratosphäre
© Axel Zahlut

Etwas zeigen innovative Initiativen in der Pädagogik immer wieder: Sobald die Schüler/-innen das Gefühl haben, aktiv an der Gestaltung des Unterrichts beteiligt zu sein, wird die Nachhaltigkeit des vermittelten Lernstoffs gesteigert. Es geht um schülerzentrierten Unterricht, der Projekt-basiert gestaltet ist. Fächerübergreifende Kooperationen der beteiligten Lehrkräfte führen zu einem themenbasierten Unterricht, der näher an der Realität dessen, was außerhalb der Schule stattfindet, liegt. Das BG Klosterneuburg stellt immer wieder das Bestreben, einen modernen Unterricht umzusetzen, unter Beweis. Die Zukunft des modernen Unterrichts liegt in der Eigenverantwortung der Schüler/-innen  …

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