Es wird kalt

Bettler
Quelle: https://pixabay.com/de/armut-betteln-ausgrenzung-straße-797948/ 12.10.2017

Vorgestern waren wir schick essen. Zwar etwas später als geplant, weil unsere Tochter nicht schlafen wollte, aber dann doch. Es ist schön, jemanden an seiner Seite zu haben, der ebenso sozial veranlagt ist und gelegentlich die eigene Welt gerade rückt. Denn auf dem Weg nachhause hat mir meine Frau unsere gesellschaftliche Verantwortung vor Augen geführt. Gerade in Zeiten wie diesen, ist das vielleicht wichtiger denn je.

Zu helfen ist eine Pflicht

Während einer bekannten Fernsehshow, in der StartUps Finanzierungshilfe benötigen, sagte der Industrielle Hans Peter Haselsteiner etwas, was mir im Ohr geblieben ist. Zu helfen ist, wenn man es kann, keine Möglichkeit, sondern eine Pflicht. Es wird an das Miteinander appelliert. An irgendeinem Punkt ist es an der Zeit, innezuhalten und wertzuschätzen, was man hat. Trotz eines guten Sozialsystems gibt es bei uns einige Menschen, die durch den Rost gefallen sind. Sie sind obdachlos und fristen ihr Dasein in einer Art Parallelwelt. So weit es geht sind sie darauf bedacht, dass wir sie nicht wahrnehmen.

Wenn sie betteln, dann meistens diskret und wenn sie schlafen, suchen sie die Parkbänke zu später Stunde auf. Wenn ich während meiner Nachtrunde mit unserer Hündin jemanden beobachte, der einen Mistkübel nach Verwertbarem durchstöbert, frage ich mich oft, wie es um die Familie dieser Person bestellt ist. Diese Person ist die Tochter/der Sohn von jemandem und hatte früher bestimmt Freunde. Auch diese Person hatte als Kind Träume, die vermutlich nie in Erfüllung gingen oder gehen werden.

Sichtbar unsichtbar

Nach unserem Restaurant-Besuch sind wir an jemandem vorbei gegangen, der unter einer Parkbank unter freiem Himmel übernachtete. Mitte Oktober fallen nächtens die Temperaturen und sehr oft sehnt man sich nach seinem beheizten Heim. Meine Frau blieb stehen und deckte diese Person, ohne sie aufzuwecken, mit einer Decke aus Fleece zu, mit der wir unsere Tochter manchmal im Kinderwagen zudecken, wenn es kühler wird. Am nächsten Morgen war dieser Mann ebenso verschwunden, wie die Decke, mit der wir ihn zugedeckt haben. Vielleicht hat er sich darüber gefreut, in dieser kalten Nacht nicht unsichtbar zu sein, als er morgens zugedeckt aufwachte.

„Kleine“ Dinge ganz groß

Ich schreibe oft über die gesellschaftliche Verantwortung, die jede/r von uns hat. Darüber, dass wir alle etwas beitragen können, unsere direkte Umgebung etwas freundlicher zu gestalten. Manche von uns denken, dass wir zu klein wären, um wirklich nachhaltige Veränderungen anzustoßen. Ich denke da immer an ein Zitat des Dalai Lama: „If you think, that you are too small to make a difference, try sleeping with a moskito in your bedroom.“ Wir haben viel zu lange gelernt, „groß“ zu denken, dass wir möglicherweise auf die kleinen Dinge vergessen.

"I need a miracle"-Schild bei Obdachlosen
Quelle: https://pixabay.com/de/schlecht-menschen-obdachlose-2571958/ 12.10.2017

Es war kaum der Rede Wert, mit einer unserer vielen Decken, den schlafenden Mann zuzudecken. Doch für ihn war es möglicherweise der entscheidende Unterschied zwischen einem kalten, oder halbwegs warmen Schlaf. Ich muss an den kommenden Sonntag denken, wenn wir zur Wahlurne schreiten, um unser Kreuz zu machen. Wir erwarten uns, dass sich etwas verändert und manche KandidatInnen plakatieren sogar das Wort Veränderung. Doch in Wahrheit fängt es bei jeder/jedem von uns an. Egal auf welchem Gebiet. Wenn wir nicht selber Willens sind, eine Veränderung anzustoßen, können wir vermutlich lange warten, bis es andere für uns tun. Ganz besonders die Politik …

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