Wann ist eine Zentralisierung sinnvoll?

Zielscheibe mit Pfeil im Zentrum
Quelle: https://www.pexels.com/photo/accomplishment-accuracy-accurate-achievement-226579/ 08.02.2018

Zentralmatura oder nicht? Diese Frage beschäftigt mich seit Jahren und bisher wurde wenig bekannt, dass meine anfängliche Skepsis beseitigen würde. Es ist der systemische Widerspruch unserer Bildungspolitik, der mich verwirrt. Einerseits befürworten wir die Pluralität der Ausbildungsschienen, andererseits soll die Abschlussprüfung zentralisiert werden, um gewisse Standards zu erreichen. Schließen beide Taktiken einander nicht aus und wie definiert sich in diesem Zusammenhang die Rolle der Lehrkraft?

„Heute ginge das nicht mehr“

Vor einigen Tagen habe ich meinem alten Deutschlehrer geschrieben und ihm dafür gedankt, dass er mich gefordert und gefördert hat. Meine heute kritische und hinterfragende Haltung wurde in der Schule durch ihn geweckt und gestärkt. Gerade als die Matura näher rückte, wurden diese Stärken angesprochen und jede/r meiner KlassenkameradInnen erhielt für sie/ihn passende Themen zur Aufbereitung. Dabei wurde speziell auf die individuellen Stärken eingegangen.

In einem kurzen Austausch gab mir mein alter Deutschlehrer zu verstehen, dass das heute aufgrund der Zentralmatura nicht mehr möglich wäre. Man würde allgemeine Themen im Vorfeld behandeln, dürfe aber nicht zu speziell oder „heftig“ werden. Der Sinn einer qualitativen Matura ist für mich in diesem Zusammenhang nicht mehr zu erschließen. Aber das bedeutet nicht, dass ich mich grundsätzlich gegen eine Zentralisierung ausspreche. Es stellt sich nur die Frage nach dem geeigneten Zeitpunkt.

Was sollte zentralisiert werden?

Person mit Fragezeichen
Quelle: https://pixabay.com/de/frage-fragezeichen-hilfe-antwort-2309040/ 08.02.2018

Gehen wir der Frage nach, was mit einer Zentralisierung bezweckt wird, sollten wir uns über deren Ziele Gedanken machen. Allgemein wird zu ihr gegriffen, wenn bestimmte Kompetenzen und Qualitätskriterien abgedeckt werden sollen. Künftig soll die Gesellschaft bei SchülerInnen gewisse Grundfertigkeiten voraussetzen dürfen. Dieser Anspruch ist legitim und gerade in Zeiten, in welchen evidente Defizite bei den standardisierten P.I.S.A.-Tests zur Schau gestellt werden, aktueller denn je. Doch ist das Alter 18 dafür nicht zu spät?

Wenn ich in skandinavische Länder blicke, vor allem nach Dänemark, ist das zentralisierte Assessment bis zum Abschluss der Sekundarstufe I Standard. Sie findet sogar zwischen der vierten und achten Schulstufe jedes Jahr statt. Danach, so die Argumentation, ist die Spezialisierung zu weit fortgeschritten, um eine für alle SchülerInnen gültige Überprüfung zu gewährleisten. Für die Bekämpfung bestimmter Defizite, die bereits im Alter von 14 bestehen, ist eine Zentralisierung mit 18 daher wenig zielführend.

Zentralisierung, aber früher

Nun wurden Kompetenzen definiert, die mit dem Abschluss der Sekundarstufe I erreicht werden sollen. Im gleichen Atemzug wäre über eine zentralisierte Prüfung nachzudenken. Meiner Auffassung nach ist diese zu diesem Zeitpunkt sinnvoll, zumal die Spezialisierung in der Sekundarstufe II, beispielsweise durch die HTL, die HAK, die Oberstufe der AHS und vielen mehr, noch nicht stattgefunden hat.

Sanduhr
Quelle: https://pixabay.com/de/sanduhr-uhr-sand-zeit-knapp-1875812/ 08.02.2018

Es dürfte auch in diesem Alter schwer sein, Defizite, die seit Jahren bestehen, zu bekämpfen. Aber jedenfalls wäre der Versuch zu diesem Zeitpunkt erfolgsversprechender als mit 18. Bestenfalls sollte das Bildungssystem derart gestaltet werden, dass etwaige Schwächen erst gar nicht so lange unerkannt oder umbekämpft bleiben. Im Menüreiter „Die Vision“ sind die Grundzüge des Konzepts von innovationsschule.at zusammengefasst. Vielleicht gelingt mit einer zentralisierten Prüfung zu einem früheren Zeitpunkt der Spagat zwischen Zentralisierung der Kompetenzen und Individualisierung des Schulstandorts …

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Axel Zahlut
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