So lernt man keine Sprache

trauriges Smiley
Quelle: https://www.pexels.com/photo/angry-bad-john-art-black-and-white-emotion-709732/ 27.12.2017

Nach ein paar besinnlichen Tagen ist es an der Zeit, die Bildungskonzepte der aktuellen Regierung kritisch zu beleuchten. Heute möchte ich der Sinnhaftigkeit von separaten Deutschklassen für jene Kinder, die nicht über die entsprechenden Deutschkenntnisse verfügen, nachgehen. Dass ich kein Fan von der Wiedereinführung der Ziffernnoten in den ersten drei Schulstufen bin, ist hinlänglich bekannt. Die separaten Deutschklassen sehe ich ähnlich kritisch.

Lernen ist ein sozialer Prozess

Der Grund, warum frühpädagogische Konzepte so wichtig sind, ist der Umstand, dass die Kinder noch immer am effektivsten voneinander lernen. Das gilt ganz besonders für die sprachliche Entwicklung. Auf keinem anderen Gebiet der Bildung ist der Aspekt des sozialen Lernens so präsent wie beim Erlernen einer Sprache. Kinder nach ihren sprachlichen Defiziten im Volksschulalter zu selektieren, negiert den sozialen Lernprozess. 

Doch das gilt nicht nur für Kinder. Jede/r, die/der Zeit im Ausland verbracht hat, weiß, dass man die örtliche Sprache am besten lernt, wenn man mit den dortigen EinwohnerInnen interagiert. Wesentlich mehr als von der engagiertesten Lehrkraft lernen Kinder daher  immer noch, wenn sie miteinander kommunizieren. SchülerInnen mit schlechteren Deutschkenntnissen beraubt man dieser Möglichkeit, werden sie zu eigenen Klassen zusammengefasst.

Der soziale Lernerfolg der Besseren

Sprung vor lauter Erfolg
Quelle: https://pixabay.com/de/sprung-springen-mann-körper-1209941/ 27.12.2017

Oft wird bei einer derartigen Maßnahme damit argumentiert, dass die Leistung der schlechteren SchülerInnen die Anderen bremsen würde. Die „besseren“ SchülerInnen lernen sehr viel dabei, ihre KollegInnen beim Lernen zu unterstützen und es steigert auch ihr Selbstwertgefühl, wenn sie merken, dass sie etwas besser beherrschen und ihr Wissen weitergeben können. In Zeiten wie diesen ist der soziale Aspekt des Miteinanders sowieso nicht zu unterschätzen.

„Ihr seid schlecht!“

Am Ende möchte ich die Motivation der SchülerInnen ansprechen. Durch eine Trennung wird ihnen das Gefühl vermittelt, sie wären SchülerInnen zweiter Klasse. Die Botschaft, die ankommt, ist „Du bist schlecht und musst deswegen in eine eigene Klasse“. Dass sich das nicht positiv auf die Motivation der SchülerInnen auswirkt, liegt auf der Hand. Eine Senkung der Motivation ist bestimmt nicht im Sinne des pädagogischen Auftrags.

4 fröhliche, 1 trauriges Smiley
Quelle: https://pixabay.com/de/glücklichsein-positiv-verbittert-2481808/ 27.12.2017

Darüber hinaus können sich die betroffenen SchülerInnen ausgeschlossen fühlen, was wiederum nicht zur vollständigen Integration in die Community beiträgt. Wenn gesagt wird, dass ein Motor der Integration die Sprache ist, kann ich dem nur zu 100 Prozent zustimmen. Allerdings sollte bei dieser Feststellung nicht vergessen werden, dass es sich bei der Sprache um ein Werkzeug der sozialen Interaktion handelt. Und dieses wird nur geschult, wenn es angewandt wird. Daher scheint es kontraproduktiv zu sein, eigene Deutschklassen für jene SchülerInnen zu bilden, die sprachliche Defizite aufweisen …

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Axel Zahlut
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