Mobbing ist kein Kavaliersdelikt

Mobbing-Opfer
Quelle: https://pixabay.com/de/verzweifelt-traurig-deprimiert-2048905/ 15.06.2017

Wenn ich von diesem Fall lese, wird mir anders. Eine Lehrerin des Gymnasiums Haizingergasse in Wien Währing soll jahrelang SchülerInnen gemobbt haben. Ihr Fach, Mathematik, „eignet“ sich traditionell sehr gut, um Angst zu verbreiten. Mich haben die mathematischen Integrale in meiner Schulzeit auch verfolgt. Dass gegen eine pragmatisierte Lehrerin keine Handhabe in so einem Fall besteht, zeigt, dass etwas Fundamentales mit dem System nicht stimmt.

Was passiert sein soll

Eine Mathematiklehrerin soll jahrelang Kinder beinahe systematisch gemobbt haben. Eine Schülerin berichtet von Schlafstörungen und mehrere ihrer KlassenkameradInnen von durch die Lehrerin verbreitete Angst. Daraufhin haben die Eltern der betroffenen SchülerInnen die Direktion gebeten, einzuschreiten und es folgten Gespräche mit der Lehrerin. Offenbar waren diese wirkungslos.

Danach wurde dieser Fall dem Stadtschulrat gemeldet. Dort meinte man, dass eine Versetzung der Lehrkraft nicht in Frage käme, zumal diese pragmatisiert sei und eine „schulfeste Stellung“ habe. Somit wäre eine Versetzung nur mit der Zustimmung der betroffenen Lehrerin möglich. Nachzulesen ist der publizierte Sachverhalt hier: http://wien.orf.at/news/stories/2848956/.

Pragmatisierung vs. Schutz der SchülerInnen

Beamte bei Kontrolle
Quelle: https://pixabay.com/de/kontrolle-arbeit-beamte-form-427510/ 15.06.2017

Deswegen bin ich seit jeher ein Gegner der Pragmatisierung. Wenn sich Probleme mit einer Lehrkraft häufen, diese bekannt und sogar publiziert werden, ist ein Einschreiten erforderlich. Wenn daraufhin mehrere Gespräche zwischen den Eltern, der Direktion und der Lehrerin keine Wirkung zeigen, ist der nächste logische Schritt, den Stadtschulrat einzuschalten. Wenn dort kommuniziert wird, dass es de facto keine Handhabe wegen der Pragmatisierung der Lehrkraft gibt, lässt mich das nachdenken.

Steht der Schutz der Anstellung durch die Pragmatisierung vor dem Schutz der Kinder? Auch LehrerInnen müssen sich gemäß des geltenden Dienstrechts verhalten. Im konkreten Fall kann von außen nur spekuliert werden, welche Verstöße letztendlich vorliegen. Jedenfalls ist eine Versetzung der Lehrkraft nur ein Verschieben des Problems an einen anderen Ort. Tatsächlich müsste eine sofortige Suspendierung folgen, bis der Sachverhalt geklärt ist.

Schutz der Kinder hat Vorrang

Für die Dauer des Disziplinarverfahrens sollte dann ein Berufsverbot ausgesprochen werden. In pädagogischen Berufen entsteht zwangsläufig ein Abhängigkeitsverhältnis zwischen der lehrenden und der lernenden Person. Wird dieses Abhängigkeitsverhältnis zum Zwecke des Mobbings missbraucht, liegt in meinen Augen eine eindeutige Verfehlung vor, die nicht zu entschuldigen ist. Man könnte sogar argumentieren, dass es sich um Missbrauch im psychologischen Sinn handelt. Deswegen wurde eigentlich das Dienstrecht für LehrerInnen ins Leben gerufen, um in genau diesen Fällen einschreiten zu können.

Wird mit zweierlei Maß gemessen?

Wenn ich über den bekannten Fall in Ruhe nachdenke, hinterfrage ich das System. Zunächst wird mir bei der Überlegung übel, wie viele Kinder durch diese Lehrerin Schlafstörungen oder andere psychische Traumata erlebt haben. Werden SchülerInnen durch eine Kollegin oder einen Kollegen gemobbt, ist davon auszugehen, dass dieser Fall mit dem Semester- oder Jahresende geklärt ist. In den meisten Fällen ist ein Schulwechsel die Lösung für alle Beteiligten.

Schiebelehre
Quelle: https://pixabay.com/de/messen-schieblehre-werkzeug-2090129/ 15.06.2017

Egal, ob eine Lehrkraft pragmatisiert ist oder nicht, auch hier gilt es, eine schnelle Lösung herbeizuführen. Wenn ich den Gesetzestext der angedachten Schulautonomie richtig lese und interpretiere, soll die Direktion fortan die Möglichkeit haben, hier schneller einzuschreiten. Im Zuge der erweiterten DirektorInnen-Autonomie kann das Kollegium anhand mehrerer Kriterien selektiert werden. Spätestens dann würden disziplinarische Verfahren ähnlich schnell abgewickelt werden, wie bei den SchülerInnen …

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Kommentare: 2
  • #1

    Wolfgang Ölzant (Donnerstag, 15 Juni 2017 19:17)

    Ich hab einmal einem Personalvertreter gegenüber über das "Entlassen" von Lehrer/innen, die ihre Aufgaben nicht erfüllen können, gesprochen und das auch eingefordert: Die Reaktion: Wie kann mir nur so etwas einfallen, das ist ja undenkbar..... Und es gibt leider Lehrer/innen, die in einer Schule (unabhängig von Mobbing etc...) nichts verloren haben.

  • #2

    Axel Zahlut (Donnerstag, 15 Juni 2017 19:24)

    Du bist wirklich einer jener Lehrer, die ihren Beruf konsequent leben! Könnten nur noch mehr sein wie du ...! Und ich finde deine Forderung richtig und mutig!