Auf der Suche nach der Schule 4.0

Tastatur und Tablet
Quelle: https://static.pexels.com/photos/270669/pexels-photo-270669.jpeg 09.11.2017

Auf der Suche nach einer Antwort, was denn Schule 4.0 genau bedeuten würde, habe ich gestern eine interessante Veranstaltung der KPH Wien/Krems in der NMS Konstanziagasse besucht. Dass der Einsatz neuer Medien im Unterricht weit über den hausüblichen Gebrauch hinausgehen würde, war mir bereits vorher klar. Doch was verschiedene ReferentInnen in 26 Workshops und zwei Keynotes angeboten haben, brachte mich der Beantwortung meiner Eingangsfrage wesentlich näher.

Inspiration gleich zu Beginn

Folie von Martin Bauer's Vortrag
© Axel Zahlut - Folie von Martin Bauer's Vortrag

Nach einigen Begrüßungsworten durch Heidemarie Svehla (KPH Wien/Krems), Gastgeberin Direktorin Edith Hülber, Bildungsstadtrat Jürgen Czernohorszky, dem amtsführenden Präsidenten des Stadtschulrats für Wien Heinrich Himmer und Bezirksvorsteher Ernst Nevrivy, entführte Abteilungsleiter Martin Bauer von der Abteilung II/8 des Ministeriums für Bildung die über 300 TeilnehmerInnen in einem spannenden Vortrag in die Welt der Digitalisierung der Schule.

Dabei skizzierte er, die rasanten, technologischen Entwicklungen seit den 1980er Jahren. Heute ist die Digitalisierung in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Es wäre daher widersinnig, den Unterricht traditionell nach analogen Mustern zu gestalten. Nachdem kleinere Geräte, wie Smartphones und Tablets, sehr leistungsfähig sind, können sie das Notebook in der Klasse ablösen. Vor allem das Internet bietet neue Möglichkeiten der Kommunikation und folglich auch der Interaktion. Den SchülerInnen eröffnen sich neue Möglichkeiten der Kollaboration, nachdem sie ihre Inhalte leichter digital teilen können.

Folie des Vortrags von Sonja Gabriel
© Axel Zahlut - Folie des Vortrags von Sonja Gabriel

In eine ähnliche Kerbe schlug Sonja Gabriel von der KPH Wien/Krems mit dem Konzept des Digital Game Based Learning. Die Kompetenz der Problemlösung dürfte mit „sinnvollen“ Spielen sehr gut vermittelt werden können. Vor allem die Selbstwirksamkeit der Lernenden wird ins Zentrum gerückt und damit die Eigenverantwortung gestärkt. Um all diese Entwicklungen in die Tat umzusetzen, wird eine taugliche Infrastruktur benötigt. Hier sind Österreichs Schulen zwar noch nicht perfekt, aber weit besser als gedacht aufgestellt.

Die Annäherung an die Schule der Zukunft

Wie Medien in den Unterricht gebracht werden, ist von Lehrkraft zu Lehrkraft unterschiedlich. Ich habe ganz bewusst das Wort „neu“ vor „Medien“ vermieden. Denn so neu sind diese Medien nicht. Ihr Einsatz im Unterricht hingegen schon. Unter den 26 angebotenen Workshops fand ich unterschiedliche Interpretationen der Schule 4.0. Grundsätzlich geht es darum, den SchülerInnen die entsprechenden digitalen Kompetenzen mitzugeben.

Folie zu Digital Gabe Based Learning
© Axel Zahlut - Folie zu Digital Gabe Based Learning

Einige Workshops zeigten Beispiele der konkreten Verwendung neuer Materialien im Unterricht. Egal, ob das die Lego-Mindstorms, unsere Freunde Dash&Dot, Augmented Reality, Tablets, Convertibles oder das Programmieren betrifft. AnhängerInnen konkreter Angebote wurden hier fündig. Anders verhielt es sich bei den strategischen Workshops. VertreterInnen wie die PH Online, Helene Swaton, Playmit, DaVinciLab oder die Virtuelle Pädagogische Hochschule zeigten, wie sich pädagogische Konzepte vor dem Hintergrund veränderter Medien adaptieren.

Zentral ist, dass die SchülerInnen künftig nicht mehr mit den herkömmlichen Methoden unterrichtet werden, sondern Konzepte wie der Flipped Classroom (eine Umkehr der bisherigen pädagogischen Interaktion, Anm.) Einzug halten. CoffeeCupLearning und der aktive Erfahrungsaustausch zwischen den Pädagoginnen und Pädagogen im Rahmen von SCHILFs werden von zentraler Bedeutung sein. Auch eine effektive Vernetzung mit privatwirtschaftlichen Angeboten wie PLAYMIT ist ein Ausdruck der Zeit. Einstein sagte einst, dass die größte Form des Wahnsinns ist, alles beim Alten zu belassen und unterschiedliche Resultate zu erwarten. Die Schule 4.0 erwartet unterschiedliche Resultate im Vergleich zu traditionellen Mustern, weil sich die verwendeten Mittel und das pädagogische Konzept ändern.

Das Schulungsangebot von projektor.at und Promethean

Schulung von LehrerInnen
© Axel Zahlut - Schulung von LehrerInnen

Damit die teilnehmenden LehrerInnen fundiert in die Welt der interaktiven Displays hinein schnuppern können, demonstrierten die autorisierten PALC-Trainer Marcel Mainz und Jon Chambers von Promethean, wie ihre interaktiven Produkte am effektivsten eingesetzt werden können. Die Firma projektor.at, deren Initiative diese Veranstaltung ermöglichte, geht hier einen sehr tiefenwirksamen Weg. Denn ohne den Pädagoginnen und Pädagogen zu zeigen, wie einfach und niederschwellig der Einstieg und die Verwendung „neuer“ Medien sind, verpuffen derartige Initiativen an der Oberfläche dieser Veranstaltungen.

Interaktive Whiteboards und Displays der Firma Promethean haben sich im pädagogischen Setting über mehrere Jahre hinweg bewährt. Letztlich geht es darum, den Lehrkräften zu zeigen, dass diese interaktiven Displays und Whiteboards ähnlich wie die Smartphones in ihren Hosentaschen funktionieren. Ist dieser Schritt vollzogen, erscheint die Verwendung dieser Geräte in einem neuen Licht.

Der rote Faden Schule 4.0

Playmit-Quiz
© Axel Zahlut - Playmit-Quiz

Mein Verständnis der Schule 4.0 nach dem Besuch der Veranstaltung gestern ist systemischer Natur. Alle Maßnahmen, technologische Entwicklungen mit moderner Pädagogik zu verbinden, sind Schule 4.0. Das bedeutet aber im Umkehrschluss, dass diese Entwicklungen bei den LehrerInnen ihren Ausgangspunkt im Unterricht haben. Grundsätzlich, das habe ich von der Veranstaltung mitgenommen, entstehen die veränderten, pädagogischen Konzepte nicht aus der Notwendigkeit, sie aufgrund der technologischen Entwicklungen anzupassen, sondern aus dem Wunsch, Kompetenzen für die Entwicklung kritischer, junger Menschen zu vermitteln.

Die Organisation der Workshops
© Axel Zahlut - Die Organisation der Workshops

Die technologischen Entwicklungen unterstützen die Pädagoginnen und Pädagogen dabei. Das bringt mich zur zentralen Forderung, diese Konzepte in der Fortbildung der LehrerInnen konsequent unterzubringen. Die Vermittlung neuer Konzepte wird am leichtesten mit dem Einsatz neuer Medien vermittelt. Es wäre daher zielführend, einen selbstverständlichen und intuitiven Einsatz neuer Medien in der Aus- und Fortbildung der LehrerInnen zu propagieren. Der stete Tropfen höhlt den Stein und es sind Veranstaltungen wie diese, die das Bewusstsein schärfen. Dabei ist die Kooperation zwischen der Konzeption einer pädagogischen Hochschule und eines privatwirtschaftlichen Akteurs, wie projektor.at, entscheidend. Seit dem Jahr 2015 besteht diese Zusammenarbeit und jährlich werden es mehr TeilnehmerInnen …

In Kooperation mit projektor.at 

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