Vision einer neuen Schule IV - Themenorientierung

Finger aktiviert Glühbirne
Quelle: https://pixabay.com/de/einschalten-ausschalten-innovation-2933029/ 08.12.2017

Brauchen wir noch die klassischen Schulfächer? Sind diese nicht obsolet geworden? Ich spreche nicht von ihren Inhalten, sondern von der inhaltlichen Trennung. Anders gefragt: Wie lösen Sie Herausforderungen in der Arbeit, oder wonach suchen sie im Internet? Vermutlich sind es Themen, die das Interesse wecken. Im heutigen Beitrag zur Vision einer neuen Schule möchte ich für mehr fächerübergreifende Kooperationen und für die Auflösung der traditionellen Schulfächer plädieren.

Themen wecken das Interesse

Fragen wir danach, wie der Schultag unserer Kinder war, hängt die Antwort meistens von den Schulfächern ab, die unterrichtet wurden. Doch manchmal erhalten wir eine Antwort wie: „Eigentlich mag ich Physik nicht, aber dieses Thema war schon interessant.“ Wenn Kinder ihre Lieblingsfächer aufzählen, sind viele der behandelten Themen mit ihren Interessen deckungsgleich. Könnte man das nicht nutzen?

Aus meiner eigenen Schulzeit kann ich berichten, dass ich immer besonders interessiert und gut in Physik war, meine Leistungen in Mathematik - gerade in den letzten beiden Schuljahren - aber eher durchwachsen waren. Als ich bemerkte, dass viele Berechnungen in der Physik mathematische Modelle benötigen, war mein Interesse geweckt. Auf einmal war der Matheunterricht nicht mehr so abstrakt.

"Info"
https://pixabay.com/de/information-hand-auskunft-hinweis-2910636/ 08.12.2017

Es gibt viele Kooperationsmöglichkeiten zwischen den einzelnen Fächern. Oft erhält man in einem Fach das theoretische Fundament und in einem anderen die praktische Anwendung. Verbunden sind diese beiden Aspekte stets durch das übergeordnete Thema, dessen unterschiedliche Aspekte das Interesse bei den SchülerInnen weckt. Diese Aspekte könnten und sollten von verschiedenen Lehrkräften in den unterschiedlichen Fächern beleuchtet werden.

Vernetztes Denken schulen

Wenn die LehrerInnen miteinander kooperieren und sich einem Thema vernetzt nähern, wird diese Herangehensweise glaubhaft den SchülerInnen vermittelt. Erst durch die Vernetzung verschiedener Fächer und Aspekte, wird der jeweilige Inhalt lebendig und verliert seine Abstraktheit. Das Ziel muss sein, dass die Schülerinnen die erworbenen Kompetenzen und das erarbeitete Wissen andernorts anwenden können. Welche Strategie ist dafür besser geeignet, als eine fächerübergreifende Kooperation, die das jeweilige Thema in den Vordergrund stellt und das Schulfach in den Hintergrund drängt?

Der Prozess ist besser planbar

In den jeweiligen Lehrplänen sind die zu vermittelnden Inhalte und Kompetenzen festgehalten. Wäre es nicht interessant, wenn sich die Lehrkräfte einer Lerngruppe/Klasse vor Beginn des Schuljahres zusammensetzen, um thematische Überschneidungen zu identifizieren und eine pädagogische Strategie dazu zu entwickeln? Auch könnten verschiedene, pädagogische Prozesse geplant werden. In einem Fach wäre beispielsweise eine individuelle Herangehensweise sinnvoll, während ein anderes Fach mehr Ergebnisse durch Kollaborationen zwischen den SchülerInnen erarbeiten ließe.

Natürlich bedingt eine derartige Vorgangsweise eine Koordination der Lehrkräfte. Ich vermute, dass die meisten LehrerInnen nichts gegen fächerübergreifende Initiativen einzuwenden hätten und sehr gerne kooperieren würden. Vermutlich würde ihre Bereitschaft eher durch administrative Fragen gehemmt. Wie sieht die Stundenaufteilung aus und wie bewerte ich die SchülerInnen für das jeweilige Fach? Daher wäre es interessant, an eine Streichung der Fächer zu denken, um diesen Fragen aus dem Weg zu gehen.

Fragen...
Quelle: https://pixabay.com/de/fragen-wer-was-wie-warum-wo-2132217/ 08.12.2017

Das bedeutet nicht, dass die Ausbildung der Lehrkräfte nicht mehr nach Fächern organisiert werden sollte, zumal hier spezielles, didaktisches Wissen vermittelt wird. Es ginge nur um die Gestaltung des Schulalltags. Wenn die LehrerInnen aber nicht mehr nach den gehaltenen Unterrichtsstunden, sondern anders entlohnt werden müssten, könnte vielleicht ein Mechanismus gefunden werden, der tatsächlich das persönliche Engagement bewertet. Denn bisher höre ich oft, dass diesbezüglich nicht unterschieden wird. Unbestritten ist allerdings, dass ein derartiges Konzept ein höheres Gehalt der Lehrkräfte bedingen würde.

Out of the Box

Letztlich geht es darum, die bestehenden Prozesse bezüglich ihrer Tauglichkeit zu hinterfragen. Wenn ich mit einer Internetrecherche meine Neugier befriedigen möchte, suche ich ebenfalls nach mehreren Quellen und beleuchte eine Thematik von mehreren Seiten. Erst anschließend habe ich das Gefühl, mein Wissen erweitert zu haben. Nie habe ich im Fenster der Suchmaschine das Fach und anschließend das Thema angegeben. Wenn wir den SchülerInnen vermitteln wollen, dass die erworbenen Kompetenzen in der Schule realitätsnahe angewendet werden können, wäre das ein guter Beginn. In meiner Vorstellung geht es darum, Verhaltensweisen anzuerziehen, die als selbstverständlich und nicht schulspezifisch wahrgenommen werden …

Kommentar schreiben

Kommentare: 3
  • #1

    Johann Weilharter (Freitag, 08 Dezember 2017 09:12)

    Um diese Themenorientierung nicht aus dem Blick zu verlieren, musste ich (wie alle Anfänger/innen) in den ersten Dienstjahren Lehrstoffverteilungen mit ausgewiesenen Quververbindungen erstellen.

  • #2

    Johann Weilharter (Freitag, 08 Dezember 2017 09:15)

    ... natürlich Querverbindungen ...

  • #3

    Axel Zahlut (Freitag, 08 Dezember 2017 09:56)

    Die Voraussetzungen zu einer Kooperation wären eh gegeben!