20 Jahre Europäische Bildungspolitik!

Europaparlament Plenarsaal
Quelle: https://pixabay.com/de/parlament-eu-brüssel-politik-704254/ 30.03.2017

Die Bildungspolitik fällt eigentlich in den Kompetenzbereich der Nationalstaaten. Aus gutem Grund. Zu unterschiedlich sind die Bildungssysteme in Europa und zu unterschiedlich ist die Schwerpunktsetzung in verschiedenen Altersgruppen. Jeder/m leuchtet ein, dass die Bildung der Zukunft irgendetwas mit neuen Technologien zu tun haben wird. Aber in welcher Form genau, ist nicht definiert. Im Jahr 1997 haben sich 18 europäische Bildungsministerien zusammengeschlossen und gründeten einen Verein nach belgischem Recht. Das Ziel: Die Bildung der Zukunft zu antizipieren und die Rolle der Technologie zu erfassen. 20 Jahre später ist das European Schoolnet - mittlerweile umfasst es 31 Bildungsministerien - eine Erfolgsgeschichte, die zeigt, dass gemeinsame Interessen vor die nationalstaatliche Eigenbrötelei zu stellen wären.

Österreich ist Gründungsmitglied

Von Anfang an war Österreich ein lautstarker Vertreter. Als Gründungsmitglied sah man sich dafür mitverantwortlich, innovative Bildungskonzepte voranzutreiben. So wurden in den verschiedenen Finanzrahmenprogrammen der Europäischen Kommission etliche Bildungsprojekte finanziert - weit über 50. Voller Stolz kann ich behaupten, bei mindestens 15 ein aktiver Bestandteil gewesen zu sein. Vereinfacht dargestellt, gab es zwei Ziele, die verfolgt wurden. Einerseits ging es um Content-Creation, bei der LehrerInnen über verschiedene Plattformen qualitativ hochwertige Inhalte kostenlos zur Verfügung gestellt werden sollten.

Andererseits ging es um die strategische Konzipierung der Schule der Zukunft. Essenziell war hierbei die Frage, welche Kompetenzen von den SchülerInnen erwartet werden, wenn sie die Schule verlassen. Dass es sich vermutlich um andere oder erweiterte Fertigkeiten als bei meiner Generation handeln würde (ich bin ein Kind der 1980er), war auch logisch. Über mehrere Projekte, welche die gefragten Kompetenzen suchen würden, handelte man sich stetig zu den Kernfragen: Wie soll die Klasse der Zukunft aussehen? Welche Rolle spielt die Technologie darin?

Die Rolle der Technologie richtig verstehen

Computer-Tastatur
Quelle: https://pixabay.com/de/tastatur-computer-hardware-tasten-70506/ 30.03.2017

Dem European Schoolnet und seinen MitgliederInnen war von Anfang an klar, dass die LehrerInnen und PädagogInnen in die Bildungsprojekte eingebunden werden müssen, damit die größtmögliche Wirkung erzielt werden kann. Relativ schnell stellte sich heraus, dass die technologischen Gadgets als Unterstützung  verstanden werden müssen, nicht als der Sinn der Bildung. Das bedeutet, dass die eingesetzte Technologie sozusagen als Bleistift fungieren soll. Wenn sie sinnvoll erscheint, wird sie eingesetzt.

Der große Schwerpunkt Naturwissenschaften

Der Ruf der Naturwissenschaften war trocken, langweilig und unsexy. Kein Wunder, dass Studiengänge in diesem Bereich trotz ausgezeichneter Berufsaussichten und entsprechender Entlohnung nicht attraktiv waren. Man sah den/die WissenschafterIn in einem weißen Kittel mit Brille und wenig Sozialkontakten. Auch standen zu wenig attraktive Lehrmaterialen für die SchülerInnen und LehrerInnen zur Verfügung. Schon sehr früh wurde im European Schoolnet (EUN) der Fokus auf naturwissenschaftliche Fächer in der Sekundarstufe I gelegt, um im Projekt Scientix den vorläufigen Höhepunkt zu finden.

Fazit: Wo ein Wille, da auch ein Weg!

Die Lehren des European Schoolnet sind auf andere Politikbereiche, über die in der aktuellen Lage mit Leidenschaft gestritten wird, übertragbar. Nationalstaatliche Interessen überwiegen in den meisten Fällen. Aber wenn das Ziel klar definiert ist, kann man nach transnationalen Kooperationen suchen und diese sinnvoll umsetzen. Am leichtesten gelingt dies in Projekten mit ganz klar definierten Aufgabenbereichen der jeweiligen AkteurInnen. In der europäischen Politik ist oft die Zielsetzung unklar und sollte darüber Einigkeit bestehen, wird über die jeweiligen Zuständigkeiten gestritten.

Jubiläumslogo des European Schoolnet
© European Schoolnet Partnership A.I.S.B.L.

In den Bildungsprojekten, die das European Schoolnet abgewickelt hat, war der Output deswegen hoch, weil ganz klar die jeweiligen Zuständigkeiten definiert wurden und eine Kollaboration im ursprünglichen Sinn intendiert war. Jede/r trug seinen essenziellen Teil bei, damit es zu einem Ergebnis kam und Fördergelder ausgezahlt wurden. Vielleicht wäre ein derartiges Finanzierungsmodell in manchen Fragen interessant. Gewisse Staaten bekämen nur dann Fördergelder, wenn sie sich an der Zielerreichung aktiv beteiligen und nicht um des Kaisers Bart streiten …