Ausnahmen erhalten die Qualität

Architektur
Quelle: https://pixabay.com/de/architekt-grafiken-abstrakt-gebäude-1073608/ 01.09.2017

Oscar Wilde sagte einst: „Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert.“ Im Bildungssystem verhält es sich ähnlich. Die Masse der Lehrkräfte gibt dem Bildungssystem ihren Bestand. Es handelt sich um jene LehrerInnen, die von der Gesellschaft als typisch bezeichnet werden, obwohl es sich hier um ein Vorurteil handelt. Die besonders engagierten Lehrkräfte geben dem System ihren Wert.

Sie gehören nicht nur erwähnt

Wir erinnern uns als Erwachsene heute noch an die eine Lehrkraft, die uns ansprach wie kaum jemand zuvor und uns forderte. Für unsere Kinder wünschen wir uns dasselbe. Diese LehrerInnen heben sich schier von der Masse ab und verleihen der jeweiligen Schule jene Qualität, auf die sie sich gerne beruft.

Im öffentlichen Diskurs wird auf diese LehrerInnen gebaut, um das Niveau der allgemeinen Bildung zu heben. Doch belohnt werden diese LehrerInnen in den seltensten Fällen. Im öffentlichen Diskurs werden sie sogar mit jenen Vorurteilen konfrontiert, gegen die sie durch ihre Arbeit jeden Tag ankämpfen. Mir kommt oft vor, dass ihr Idealismus vorausgesetzt und als selbstverständlich angesehen wird.

Der Kampf gegen den Strom

Schattenboxen
Quelle: https://pixabay.com/de/karate-monduntergang-kampf-sport-2578819/ 01.09.2017

Die alltäglichen Herausforderungen der LehrerInnen bekommen die meisten von uns gar nicht mit. Natürlich wird an dieser Stelle argumentiert, sie hätten diesen Beruf ergriffen und sollen nun nicht klagen. Obwohl ich diese Einschätzung grundsätzlich teile, wird hier nur die halbe Wahrheit erzählt. Denn es gibt unzählige systemische und administrative Hürden im Lehrberuf, die schlicht nicht bekannt sind.

Seien es Herausforderungen im Bereich der Infrastruktur, bei der Administration, im Vorfeld von Ausflügen, bei der Gegenfinanzierung besonderer Leistungen oder bei der Finanzierung situationsbedingt besser geeigneter Unterrichtsmittel. Wenn LehrerInnen klagen, dann nur, weil sie das Gefühl haben, das System arbeite gegen sie. Und das ist sicher nicht im Interesse der SchülerInnen und unserer Gesellschaft.

Hinterfragen der Struktur

Seit Jahren weise ich auf die Notwendigkeit einer ernst gemeinten Bildungsreform hin. Ein paar Schritte in die richtige Richtung wurden zwar unternommen, aber es liegt noch ein weiter Weg vor uns. Das geplante Autonomiepaket soll für den jeweiligen Standort Freiräume schaffen, um, der Theorie nach, besser auf lokale Herausforderungen zu reagieren. Pädagogische Schwerpunkte sollen leichter gesetzt werden können. Ich habe stets den Standpunkt vertreten, dass die Schule in der heutigen Zeit vermutlich anders aussehen würde, müsste man sie neu erfinden.

Aber die Notwendigkeit einer Strukturreform ergibt sich aus dem Wunsch, die LehrerInnen ihre wertvolle Arbeit machen zu lassen. Wenn die erwähnten, engagierten und idealistischen Lehrkräfte mit bürokratischen und administrativen Hürden konfrontiert sind, wird ihre Freude am Unterrichten schwinden. Also für die „wirklich fortschrittlichen“ LehrerInnen ist eine Strukturreform so wichtig. Denn die Motivation, die sie danach gewinnen würden, übertrüge sich zwangsläufig auf die SchülerInnen. Für die SchülerInnen muss die pädagogische Interaktion in Richtung mehr Eigenverantwortung reformiert und zeitgleich den Lehrkräften administrative Aufgaben abgenommen werden.

Eine Frage der Wertschätzung

Lehrer und Schüler
Quelle: https://pixabay.com/de/jungs-schule-lehrer-bildung-asien-1782427/ 01.09.2017

Eine Reform des Bildungswesens ist also eine Frage der Wertschätzung den SchülerInnen und den LehrerInnen gegenüber. Ich sehe zwei Möglichkeiten: Entweder, wir nehmen endlich eine systemische Reform in Angriff, oder wir vertrauen weiter darauf, dass der Idealismus vieler Lehrkräfte die Herausforderungen außerhalb des Unterrichts fast „nebenbei“ löst. Bei der zweiten Option ist die Nachhaltigkeit von Reformen systemisch gefährdet. Hoffentlich sind wir einer Beantwortung dieser Fragen spätestens dann entscheidend näher gekommen, wenn meine Tochter das schulpflichtige Alter erreicht …

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